Die Ruhe vor der Hitzeschlacht am Bostalsee
Es gibt diese Tage im Kalender eines RC-Rennfahrers, da weißt du schon beim ersten Schritt aus dem Zelt, dass dir der Asphalt gleich die Reifen wegschmilzt. Pfingsten am Bostalsee war genauso ein brutales Brett.
Wer die typischen permanenten RC-Strecken Deutschlands gewohnt ist – fein säuberlich präparierte Lehmkurven oder akkurat verlegter Kunstrasen –, der musste hier erst mal tief durchatmen. Keine High-End-Boxengasse mit Schrauberplätzen, keine permanente Zeitnahme oder ein schattiges Dach. Stattdessen: Eine saftige, unberührte Rasenfläche, die Kulisse des SR3-Kinderfests und das markerschütternde Dröhnen von schweren Dieselmotoren im Hintergrund.
Parallel fand dort nämlich das „19. Internationale Pfingsttreffen der Hanomag AL28-Freunde“ statt. Was für ein absolut bizarres, aber verdammt faszinierendes Panorama für jeden Technik-Fan! Auf der einen Seite die tonnenschweren, unverwüstlichen Allrad-Oldtimer aus einer ganz anderen Epoche, auf der anderen Seite unsere pfeilschnellen, hochmodernen Elektro-Kurvenräuber im Maßstab 1:10. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, aber an diesem Wochenende sollten sie im Glutofen der saarländischen Sonne gnadenlos miteinander verschmelzen.
Wer die Szene kennt, weiß genau: Der härteste Gegner ist nicht immer das Auto auf der Spur neben dir. Oft ist es die Uhr. Und die schiere Hitze. Im krassen Gegensatz zum Vorjahr, als wir uns noch mit unberechenbaren Wetterkapriolen, nassen Rasenfläche und sinnflutartigen Regenschauern herumschlagen mussten, zeigte das Thermometer dieses Mal ein ganz anderes Gesicht. Absolute Hochsommertemperaturen herrschten bereits seit dem Samstag und bissen sich für das gesamte Pfingstwochenende über dem Gelände fest. Die Luft stand wie eine unsichtbare Wand über dem See, noch bevor das erste Auto überhaupt einen Meter gerollt war.
Sonntag, 08:00 Uhr: Staub, Schweiß und der perfekte Plan
Der Zeiger der Uhr springt unbarmherzig auf die Achte. Das Gelände öffnet seine Tore und die erste Hitzewelle des Tages schlägt dem Team direkt ins Gesicht. Jetzt zählt jede einzelne Sekunde. Wenn du vorhast, eine temporäre Offroad-Rennstrecke aus dem Nichts aus dem Boden zu stampfen, während im Hintergrund bereits die ersten Familien mit Heerscharen von Kindern anrücken, brauchst du eine perfekt abgestimmte Zusammenarbeit.

Zum Glück hatten wir ein mächtiges Ass im Ärmel: Die harten, wertvollen Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. Jeder Handgriff saß blind. Innerhalb von wenigen Stunden wurde die Rasenfläche umfunktioniert, Streckenbegrenzungen verlegt und der Kurs komplett eingerichtet. Als Fahrerstand diente uns ein massiver Anhänger – simpel, zweckmäßig, stabil und hoch genug, um den perfekten Überblick über das gesamte Infield zu behalten.

Und dann stand er bereit: Unser Fuhrpark für das Wochenende. Keine mimosenhaften High-End-Chassis, die beim ersten Steinkontakt in ihre Einzelteile zerfallen, sondern reiner, ungezähmter Offroad-Spaß für den Indoor und Outdoor Einsatz: die offiziellen DMC Short Course Trucks (2WD) von Traxxas, in der Szene besser bekannt als der legendäre Traxxas Slash. Diese heckangetriebenen Biester stecken selbst härteste Einschläge klaglos weg.
An dieser Stelle müssen wir kurz Tacheles reden und ein fettes, ehrliches Dankeschön raushauen: und zwar an den DMC e.V. und ganz speziell an die Jugendreferentin des Verbands, Anke Müller. Diese unkomplizierte, unbürokratische Leihgabe der Fahrzeuge ist im heutigen Verbandswesen alles andere als selbstverständlich. Das ist echter Support für die Basis und die Nachwuchsarbeit, ohne den diese gesamte Aktion schlichtweg unmöglich gewesen wäre.
Kaum war die Strecke freigegeben, brachen alle Dämme. Die Beteiligung der Kinder war nicht nur gut, sie war absolut überwältigend. Ein regelrechter Ansturm überrollte unser kleines Eventstand. Und das Beste daran: Einige der kleinen Racer kannten uns tatsächlich noch aus dem letzten Jahr! Die kamen nicht zufällig vorbei, die suchten gezielt den Offroad Spaß des Vorjahres. Sie wussten genau, was sie erwartet: Adrenalin, Speed und der brutale Kampf mit der Fliehkraft auf dem staubigen Rasenkurs.
Der Sonntag zog an uns vorbei wie ein einziger, rasanter Vorlauf. Erst als die Sonne tiefer sank, kehrte etwas Ruhe ein. Einige unserer vor Ort aktiven Mitglieder hielten es verständlicherweise in ihren klebrigen Klamotten nicht mehr aus und suchten am Sonntagabend die verdiente Abkühlung in den erfrischenden Fluten des Bostalsees. Währenddessen war die eigene Vereinsjugend ebenfalls extrem tatkräftig unterwegs und nutzte die verschiedenen Attraktionen des SR3-Kinderfestes voll aus.
Für uns als Crew klang dieser mörderische Sonntag schließlich mit einem gemeinsamen Burger-Grillen und dem gemütlichen Beisammensein im Camp aus. Abgerundet wurde der Abend durch RC-Modellbau Gespräche mit den Onroad-Fahrern des „RC Cars & Drift St. Wendel e.V.“, die auch dieses Jahr eine Onroad Parkour anboten. Wer denkt, dass Offroader und Glattbahn-Spezialisten in getrennten Welten leben, wurde hier eines Besseren belehrt.
Pfingstmontag: Das Finale im Glutofen
Wenn du denkst, heißer geht es nicht mehr, legt der Pfingstmontag noch eine Schippe drauf. Bereits zur Mittagszeit erreichten die Temperaturen ihren absoluten, schmerzhaften Scheitelpunkt. Die Luft flimmerte über der provisorischen Start-Ziel-Geraden. Am Stand selbst war es zu diesem Zeitpunkt zunächst noch merklich ruhig. Kein Wunder: Die schlaue Masse der Besucher flüchtete vor der unbarmherzigen Mittagssonne und nutzte den naheliegenden Wasserspiele-Park zur dringend benötigten Abkühlung.

Doch wir wussten, das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Am Nachmittag schlug der Andrang dann mit Wucht zurück. Familien, Jugendliche, Kinder – die Strecke war im Grunde belagert. Es schlug die Stunde der Wahrheit für unsere Crew, und was hier an reinem Engagement geleistet wurde, verdient tiefsten Respekt.
Allen voran Christian D., der gefühlt ununterbrochen auf dem Fahrerstand-Anhänger stand. Mit einer Engelsgeduld, klaren Worten und dem absoluten Blick für den Nachwuchs betreute er die Kinder an den Fernsteuerungen. Er erklärte Gasannahme, korrigierte den Fahrstyle und rettete Trucks vor dem unkontrollierten Einschlag.
Im Hintergrund zog währenddessen Andre I. die Fäden in der Hölle der Boxengasse. Er organisierte den technischen Dienst und koordinierte die Akkuladung im absoluten Akkordbetrieb. Bei diesen mörderischen Außentemperaturen die Akkus und Motoren am Leben zu erhalten und permanent für frischen Saft – Strom – zu sorgen, gleicht einer Wissenschaft für sich. Wenn Andre hier gepatzt hätte, wäre der Fuhrpark innerhalb von einer Stunde lahmgelegt gewesen. Aber die Logistik stand bombenfest.
Es war auf jeden Fall wieder ein absolutes Fest der Emotionen. Wenn du in diese glänzenden Kinderaugen blickst, wenn du siehst, wie ein Steppke den Traxxas Slash das erste Mal perfekt über den Sprunghügel zirkelt, dann weißt du ganz genau, warum du dir diese Knochenarbeit antust. Es ist die pure Freude, unser oft als Nische verschrienes Hobby einer breiten, völlig unvoreingenommenen Öffentlichkeit so hautnah und greifbar zu präsentieren.
Doch jedes Event hat eine Ziellinie. Am Montagabend, als die Tore des Kinderfests schlossen, wartete der unbarmherzigste Part auf uns: der schweißtreibende Abbau. Die Strecke musste zurückgebaut, der Fahrerstand-Anhänger fahrbereit gemacht und das gesamte Equipment sicher verstaut werden. Nach drei Tagen Dauereinsatz in der prallen Sonne gingen ausnahmslos alle Teammitglieder durch die extreme Hitze körperlich wirklich an ihre Grenzen. Der Schweiß lief in Strömen, die Muskeln brannten, aber es wurde durchgezogen. Bis zum letzten Hering.
Der Blick aus der Boxengasse
Wenn wir jetzt, mit etwas Abstand und einem kühlen Getränk in der Hand, auf dieses absolute und faszinierende SR3-Kinderfest zurückblicken, bleibt ein verdammt ehrliches Resümee: Schön, dass es solche Events in der heutigen, oft so sterilen und digitalen Zeit überhaupt noch gibt. Es war laut, es war heiß, es war verdammt anstrengend – aber es war jeden einzelnen Schweißtropfen wert.
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